Was bedeuten Anovulation und anovulatorischer Zyklus?

Dr Sarah Johnson

Englische Version überprüft von Dr Sarah Johnson im Apr. 01, 2020

Sie können nur wenige Tage während eines Menstruationszyklus schwanger werden. Diese Tage werden als Ihr Fruchtbarkeitsfenster bezeichnet und umfassen die Tage vor dem Eisprung und den Tag des Eisprungs, d. h. den Tag, an dem eine Eizelle aus einem Eierstock freigesetzt wird.  Es kann jedoch sein, dass in manchen Zyklen keine Eizelle freigesetzt wird. Wenn der Eisprung ausbleibt, spricht man von Anovulation. Meistens sind junge Mädchen davon betroffen, deren Menstruationszyklus gerade erst begonnen hat, oder Frauen, die sich den Wechseljahren nähern. Es ist auch möglich, dass gesunde Frauen gelegentlich einen Zyklus ohne Eisprung haben. 

Was ist also Anovulation und was ist die Ursache dafür, dass keine Eizelle freigesetzt wird? Welche Symptome treten auf, wenn der Eisprung ausbleibt? Und was können Sie dagegen tun? Wenn Sie sich diese Fragen stellen, lesen Sie weiter, um alles über Anovulation zu erfahren. 

1.
Was ist ein Eisprung?

Beim Eisprung wird eine Eizelle aus einem der beiden Eierstöcke freigesetzt. Ihre Fruchtbarkeit ist an den Tagen vor dem Eisprung und am Tag des Eisprungs am höchsten. Dieses Fruchtbarkeitsfenster dauert ungefähr 6 Tage an. Wenn Sie während dieses Zeitraums ungeschützten Geschlechtsverkehr haben, ist die Chance, schwanger zu werden, am höchsten.

2.
Was bedeutet Anovulation?

Anovulation bedeutet, dass während eines Menstruationszyklus keine Eizelle aus einem Eierstock freigesetzt wird.  Es ist nicht ungewöhnlich, dass dies gelegentlich vorkommt, und es kann sein, dass Sie in einem Monat einen anovulatorischen Zyklus haben und im nächsten Monat einen normalen Zyklus mit Eisprung. 

Ein anovulatorischer Zyklus kann auch unbemerkt bleiben, weil die Periode ganz normal eingesetzt hat. Sie stellen möglicherweise erst dann fest, dass Sie keinen Eisprung hatten, wenn Ihre Periode ausbleibt, oder es fällt Ihnen bei der Anwendung eines Ovulationstests auf, dass kein LH-Anstieg erkannt wird. Unregelmäßige Perioden können auch ein Zeichen dafür sein, dass Sie möglicherweise keinen Eisprung haben. 

Anovulation kann chronisch sein, was bedeutet, dass eine Frau in vielen Zyklen keinen Eisprung hat. 

3.
Warum habe ich keinen Eisprung?

Anovulation tritt in bestimmten Abschnitten der reproduktiven Lebensphase einer Frau häufig auf: 

  • Mädchen, deren Menstruation vor Kurzem zum ersten Mal eingesetzt hat. Im Jahr nach der ersten Periode ist es nicht ungewöhnlich, dass Mädchen anovulatorische Zyklen haben. 
  • Frauen unmittelbar vor den Wechseljahren. Frauen zwischen 40 und 50 Jahren erleben häufiger Hormonverschiebungen, was zu einem häufigeren Auftreten von Anovulation führen kann.1

Es kann sein, dass Sie einen anovulatorischen Zyklus haben und trotzdem fruchtbar sind. Dafür gibt es viele Ursachen.  Im Folgenden sind einige mögliche Ursachen aufgeführt.  Wenn Sie befürchten, anovulatorische Zyklen zu haben, sollten Sie Ihren Arzt aufsuchen.

  • Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS). Aufgrund eines hormonellen Ungleichgewichts bilden sich bei dieser Erkrankung kleine Zysten bzw. befinden sich Follikel mit unreifen Eizellen in den Eierstöcken. Diese Erkrankung kann auch zu unregelmäßigen Perioden, übermäßigem Haarwuchs, fettiger Haut, Gewichtszunahme, Depressionen und Unfruchtbarkeit führen. Bei einigen Frauen kann PCOS auch ohne diese Symptome auftreten und die Frauen erfahren erst dann, dass diese Erkrankung bei ihnen vorliegt, wenn sie schwanger werden möchten. Wenn Sie besorgt sind oder glauben, PCOS zu haben, sprechen Sie mit Ihrem Arzt. Wenn bei Ihnen PCOS diagnostiziert wurde, können Ovulationstests oder Fertilitätsmonitore zu irreführenden Ergebnissen führen. Daher sollten Sie diese nicht verwenden. Frauen mit PCOS weisen möglicherweise während des gesamten Zyklus einen hohen LH-Spiegel auf, sodass bei einem Test ein LH-Anstieg (maximale Fruchtbarkeit) erkannt wird, obwohl dies nicht zutrifft.     
  • Unter- oder Übergewicht. Wenn Sie unter- oder übergewichtig sind, kann dies auch den Eisprung verhindern. Das Erreichen eines gesunden Gewichts kann die Fruchtbarkeit fördern und das Risiko von Eisprungstörungen verringern.
  • Übermäßige körperliche Aktivität. Eine zu hohe körperliche Aktivität über einen längeren Zeitraum, wie z. B. Langstreckenlauf, kann auch zum Ausbleiben des Eisprungs führen. Die Reduzierung der Intensität und des Umfangs der körperlichen Aktivität kann zu einer Normalisierung beitragen. 
  • Stress und Angst. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, wenn Sie glauben, dass Ihr Stressniveau einen Eisprung verhindert.
  • Medikament.  Einige Medikamente können den Eisprung beeinflussen, wie z. B. Verhütungsmittel.  Überprüfen Sie immer, welche Medikamente Sie einnehmen.

4.
Was sind die Symptome einer Anovulation?

Viele Frauen haben möglicherweise einen anovulatorischen Zyklus, ohne es zu bemerken. Die Anovulation selbst zeigt keine Symptome.  Daher ist es möglicherweise einfacher, auf Anzeichen für einen Eisprung zu achten.

5.
Was sind die Anzeichen für einen Eisprung?

Wenn Sie die üblichen Anzeichen für einen Eisprung feststellen, besteht die Möglichkeit, dass Sie einen Eisprung haben. Zu den Anzeichen gehören u. a.:

  • Ein Anstieg des LH-Hormons. Ein Ovulationstest erkennt, ob ein Anstieg des luteinisierenden Hormons (LH) stattgefunden hat. Der Anstieg erfolgt 12–24 Stunden vor dem Eisprung. Wenn bei Ihnen jedoch PCOS vorliegt, können Sie bei der Anwendung eines Ovulationstests irreführende Ergebnisse erhalten, da der LH-Spiegel bei Ihnen während des gesamten Zyklus hoch ist. Aus diesem Grund sollten Sie keinen Ovulationstest verwenden, wenn bei Ihnen PCOS diagnostiziert wurde.  
  • Regelmäßige Perioden. Wenn Sie einen Eisprung haben, ist Ihr Menstruationszyklus relativ vorhersehbar und dauert etwa 24 bis 32 Tage. Ausbleibende Perioden [Verknüpfung zum Thema Ausbleiben der Periode] oder sehr lange (mehr als 40 Tage) oder kurze (weniger als 20 Tage) Zyklen können ein Zeichen dafür sein, dass Sie möglicherweise keinen Eisprung haben.   Es kann aber auch dann eine Anovulation vorliegen, wenn Ihre Zyklen eine normale Länge aufweisen und regelmäßig sind.
  • Veränderung der Basaltemperatur. Die Körpertemperatur in Ruhe steigt nach dem Eisprung leicht an.   Da jedoch viele andere Faktoren die Körpertemperatur erhöhen können, stellt die Basaltemperatur kein sehr genaues Maß dar.
  • Veränderungen des Scheidensekrets. Kurz vor dem Eisprung stellen Sie möglicherweise fest, dass das Scheidensekret klar, wässrig und spinnbar ist. Nach dem Eisprung wird der Zervixschleim möglicherweise dicker und trüber und lässt sich kaum feststellen.  Die Nachverfolgung des Zervixschleims ist schwierig und erfordert eine fachkundige Anleitung, daher ist es bei dieser Methode möglicherweise schwierig, einen Eisprung zu erkennen. Es ist außerdem wichtig zu bedenken, dass Veränderungen des Scheidensekrets auch ein Anzeichen für eine Infektion sein können. Wenden Sie sich daher an Ihren Arzt, wenn Sie ein anormales Scheidensekret beobachten.
     

6.
Wie verbreitet ist Anovulation?

Anovulation tritt ziemlich häufig auf und betrifft 1 von 10 Frauen.2 Ein anovulatorischer Zyklus kann bei jeder gesunden Frau auftreten, jedoch ist die Wahrscheinlichkeit dafür von Alter und Körpergewicht abhängig. 

7.
Welche Behandlung gibt es für die Anovulation?

Der gelegentlich auftretende anovulatorische Zyklus ist ziemlich häufig und kein Anlass zur Sorge.  Wenn Sie jedoch glauben, dass Sie regelmäßig keinen Eisprung haben, sollten Sie mit Ihrem Arzt sprechen. Eine chronische Anovulation kann in manchen Fällen durch eine Veränderung des Lebensstils behoben werden, wie z. B. Gewichtsabnahme oder -zunahme oder Verringerung der intensiven körperlichen Aktivität.

8.
Kann ich trotz Anovulation schwanger werden?

Eisprungstörungen, wie chronische Anovulation oder seltener Eisprung, betreffen 1 von 4 Paaren, die kein Kind bekommen können.1 Sie können nur dann schwanger werden, wenn während Ihres Zyklus eine Eizelle freigesetzt wird. Daher können Sie während eines anovulatorischen Zyklus nicht schwanger werden.


  1. Broekmans, FJ et al. BJOG: An International Journal of Obstetrics & Gynaecology 113.10 (2006): 1210-17
  2. Hambridge HL et al. Human Reproduction. (2013) 28: 1687–1694.
  3. https://www.mayoclinic.org/diseases-conditions/female-infertility/symptoms-causes/syc-20354308 Aktualisiert am 27. Juli 2019